Don Carlos in einer Schattenwelt

Marina Bolzli

Frauke Löffel hat das Bühnenbild von Don Carlos gestaltet. Dabei hat sie sich von Malereien inspirieren lassen. Es sei die erste spontane Idee gewesen, als sie das Libretto der Oper gelesen habe. Wir haben mit ihr das fertige Bühnenbild besichtigt.

«Dieser Tag ist für mich jeweils wie Weihnachten», sagt Frauke Löffel. Noch darf sie nicht ins Stadttheater hinein, sie muss warten, bis alles parat ist. Und sie ist aufgeregt, angespannt, freudig. Es ist Ende September, heute wird auf der Bühne im Stadttheater erstmals das fertige Bühnenbild für Don Carlos eingerichtet. Dieser für die Bühnenbildnerin wichtige Tag nennt sich technische Einrichtung. Zwar weiss Frauke Löffel ganz genau, was sie gezeichnet und konzipiert hat und was sie mit Werkstätten Ende Februar bei der so genannten Bauprobe besprochen hat, aber in Echt wirke es halt noch einmal anders.

Frauke Löffel ist für das Bühnenbild von Don Carlos verantwortlich. Sie liess sich dabei von Malern wie Goya und deren Umgang mit Licht inspirieren. «Die Bühne ist eine bewegliche, sich ständig wandelnde Skulptur aus sehr leichten, feinen Gazen, also transparenten Stoffen», erklärt sie. Mithilfe der Stoffe erzähle sie das Licht und mache die Menschen zu Schatten. Dabei komme es natürlich nicht nur auf die Farbe und Schönheit der Stoffe, sondern auch – ganz praktisch gedacht – auf deren Beschaffenheit an. Lassen sie sich abhängen? Machen sie Falten? Fallen sie schön? Die definitiven Stoffe hat Löffel anhand von Mustern ausgewählt, aber wie die Stoffbahnen wirklich im Raum wirken, sieht sie erst, wenn das fertige Bühnenbild zum ersten Mal hängt.

Endlich darf Frauke Löffel hinein ins Theater. Das Bühnenbild hängt. Die Stoffbahnen für Don Carlos funktionieren wie ein riesiges Mobile, haben verschiedene Farben und Formen, die immer anders kombiniert werden können. «Die erste Szene spielt zum Beispiel im Wald», erzählt Frauke Löffel, «da fällt ein Lichtstrahl durch die Bäume, der in allen Farben reflektiert.» Im zweiten Teil sei schwarz die dominierende Farbe, eine Schattenwelt, in der sich die Figuren zurechtfinden müssen.

Don Carlos von Giuseppe Verdi spielt in der Zeit des französisch-spanischen Kriegs im 16. Jahrhundert. Die Übermacht der Kirche ist allgegenwärtig, es gibt nur Gut und Böse, nur Licht und Dunkel.  «In Don Carlos kämpfen die Menschen um Sichtbarkeit», sagt sie. Und das zeige sie mit ihrem Bühnenbild.

Die Besichtigung ist fertig, Frauke Löffel lacht nun erleichtert. «Alles ist gut, es funktioniert mit dem Stoff, jetzt bin ich entspannt», sagt sie.

Die Oper Don Carlos feiert am 16. Oktober Premiere.

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