Ein Stück für die Allerkleinsten

Marina Bolzli

Mit KlanzTang hat die Musikvermittlerin Salome Böni ein Mitmachstück geschaffen, das sich an Babys ab neun Monaten mit vertrauter Bezugsperson richtet. Entwickelt hat sie es zusammen mit zwei Kitas und der Tänzerin Jenni Arne. Und dabei gelernt: Bei den Jüngsten müssen alle Regeln, die wir aus dem Theater kennen, auf den Kopf gestellt werden.

Auf dem Boden liegen verschiedene Schlägel, Kochlöffel, Schüsseln und Zuber. Wild verteilt. Mittendrin zwei Frauen, die den Objekten Töne entlocken, indem sie mit ihnen schlagen, klopfen oder auf ihnen blasen. Sie bewegen sich zu den Klängen, reagieren aufeinander.

Es sind die Musikvermittlerin Salome Böni und die Tänzerin Jenni Arne. Sie stecken mitten in den Proben für KlanzTang, dem neuen Stück für die Allerkleinsten. Also diejenigen Kinder, die man normalerweise nicht mit ins Theater nimmt, weil sie angeblich zu jung sind. «Zuerst wollten wir KlanzTang ja nur für Kinder ab zwei Jahren anbieten», sagt Salome Böni. Doch dann hätten sie gemerkt, dass das Stück auch Babys anspreche. «Sobald sie sich bewegen können, können sie mitmachen», sagt Böni.

Und dabei werden alle Regeln, die im Theater normalerweise gelten, ausser Kraft gesetzt. «Die Kinder müssen weder still sein, noch am Ort sitzen bleiben, sie dürfen zwischendurch rausgehen und wieder reinkommen – und es ist erwünscht, dass sie mitmachen», sagt Salome Böni. Das sei eine wichtige Erkenntnis, die sie gehabt habe: «Kinder sind von Geburt an kreativ.» Auch Kindern unter vier Jahren könne man Musik und Kultur auf der Bühne vermitteln, aber nicht, indem sie ruhig sein und zuschauen müssten, sondern indem sie voll dabei sein und mitmachen könnten.

Auf diesen Gedanken kam sie, weil sie das Stück gemeinsam mit zwei Berner Kitas entwickelt hat. Dort haben sie und Jenni Arne ausprobiert, wie die Kinder auf ihre Performance reagieren. So haben sie gemerkt, dass es nicht gut ist, wenn sie sich am Anfang verstecken und dann plötzlich auftauchen. Manche Kleinkinder bekommen in dieser Situation Angst und tauen erst nach langer Zeit wieder auf. Und so legen sie sich nun am Anfang und am Schluss des Stücks hin, wie wenn sie schlafen würden.

«Es entstehen wunderbar intensive Begegnungen.»

Salome Böni

Ebenso wichtig sind die Informationen für die Kita-Betreuungspersonen oder – im Theater – für die Eltern. Sie müssen wissen, dass das Stück improvisiert werde und dass weder Kinder noch Eltern etwas falsch machen könnten. Jedes Kind dürfe mitmachen, aber es sei genauso gut, wenn man einfach zuschauen wolle. Und schliesslich: «Auch die Eltern dürfen mitmachen, aber sie müssen dabei aufpassen, dass sie den Kindern nicht Raum wegnehmen», sagt Salome Böni augenzwinkernd.

Die schönsten Momente in den Kitas sind übrigens entstanden, als Babies und Performerinnen zusammen musiziert hätten. Salome Böni zeigt ein Video, in dem zu sehen ist, wie sie auf der Flöte spielt und zwei etwa zweijährige Kinder auch eine Flöte nehmen und in sie hineinsingen und so auf Salome Böni reagieren. «Da entstehen wunderbar intensive Begegnungen», findet die Musikvermittlerin.

Die nächsten Vorstellungen von Klanztang finden Sie hier.

Hinweis: Das Mitmachstück hat Salome Böni im Rahmen des CAS Kulturelle Bildung an der Hochschule der Künste Bern HKB entwickelt. Sie ist eine der Stipendiatinnen des Förderakzents U4 der Kulturförderung des Kantons Bern, der 2018 im Kontext der nationalen Initiative Lapurla lanciert worden war. Mehr zur nationalen Initiative Lapurla – Kinder folgen ihrer Neugier: www.lapurla.ch

Bühnen Bern ist Teil des Netzwerks Lapurla und setzt sich mit KlanzTang pionierhaft für das UN-Kinderrecht auf kulturelle Teilhabe ab Geburt ein.

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