Das erste Konzert ist ihr letztes

Marina Bolzli

Die ersten Konzerte der Saison sind gleichzeitig ihre letzten: Die BSO-Musiker Alexander Kaganovsky (Cello) und Friedemann Jähnig (Viola) werden pensioniert. Bevor wir sie ziehen lassen, haben sie sich unseren Fragen gestellt.

Herr Kaganovsky, Sie sind seit dem Jahr 2000 beim BSO engagiert. Was überwiegt: die Trauer oder die Freude auf die Pensionierung?
Alexander Kaganovsky: Ich bin ein bisschen wehmütig, habe aber die Hoffnung, dass ich noch weiter als Aushilfsmusiker angefragt werde. Schliesslich konnte beim Vorspiel noch kein Ersatz für mich gefunden werden.

Warum sind Sie eigentlich gerade nach Bern gekommen?
Das ist eine lange Geschichte.

Erzählen Sie!
Ich erzähle die kurze Variante: Als ich Solocellist in Israel war, lernte ich einen Schweizer Musiker kennen. Zu dritt gründeten wir das Zürich Streichtrio. Das war 1990. Damit ich geografisch näherkommen würde, versuchten sie mich zu überreden, in der Schweiz eine Stelle zu finden. Doch das war nicht so leicht. 1998 war ich schliesslich an einem Probespiel in Basel erfolgreich. Und im Jahr 2000 wechselte ich nach Bern. Ich spürte sofort, dass hier eine super Atmosphäre herrscht. Es war fantastisch!

Werden Sie auch nach Ihrer Pensionierung hierbleiben?
Ja, ich fühle mich sehr zuhause in Belp, wo ich wohne. Ich habe auch tolle Nachbarn, das ist ja sehr wichtig als Musiker. Und meine Frau und ich wollen nächstes Jahr ein mehrtägiges Klassikfestival in Belp organisieren, das Belp Musik Festival. Uns geht die Arbeit nicht aus. Ausserdem werde ich natürlich weiterhin als Solist tätig sein und in Russland, Luxemburg, Skopje und vielen weiteren Ländern auftreten.

Und zwischendurch Kaffee kochen? Schliesslich ist das ein Hobby von Ihnen, wie ich gehört habe.
Ja, ich mag sehr heissen, echten Kaffee. Am liebsten koche ich ihn ganz langsam auf Sand, so wie es die Beduinen machen. Das sollten Sie mal probieren!

Herr Jähnig, 1994 traten Sie als Musiker dem BSO bei, wie geht es Ihnen vor Ihrem letzten Konzert mit dem Orchester?
Friedemann Jähnig: Ich freue mich, dass gerade das Eröffnungskonzert mein letztes ist. Viele meiner Freunde werden kommen, sogar meine Geschwister aus Deutschland reisen an. Und es ist natürlich auch etwas Wehmut dabei. Mehr als ein Vierteljahrhundert meines Lebens habe ich im BSO verbracht, und ich bin immer gerne zur Arbeit gekommen.

Welches war der Höhepunkt?
Für mich waren es ganz klar die Tourneen, insbesondere die China-Tournee mit Mario Venzago, da konnten wir in fantastischen Sälen spielen. Aber Tourneen sind immer schön, so eng getaktet gemeinsam unterwegs zu sein, das schweisst zusammen.

Was werden Sie vermissen?
Ach, mein Alltag wird gar nicht so viel anders werden: Ich mache natürlich weiterhin Musik, vor allem in Kammerformationen wie der Camerata Bern und dem Colla Parte Quartett, das zum Teil auch aus BSO-Musikern besteht.

Und worauf freuen Sie sich?
Seit zehn Jahren renne ich Marathon, ich habe auch den Jungfraumarathon schon zweimal gemacht. Nächstes Jahr möchte ich ihn wieder rennen. Ausserdem will ich dann öfters Zeit mit meiner Familie verbringen und alte Freundschaften auffrischen.

Es wird Ihnen also nicht langweilig werden.
Nein! Und ausserdem: Durch die letzten eineinhalb Jahre, in denen die Pandemie dominierte, habe ich mich schon ziemlich gut auf die ruhigere Zeit während der Pensionierung vorbereiten können. Wobei meine musikalische Karriere ja mit Kammermusik weitergeht. Ich nenne das – analog zum Sport - schleichendes Abtrainieren.

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