Studierende des Bachelor-Seminars TANZKRITIK schreiben über Produktionen von Bern Ballett.

Helen Habel

Tanz ist eine ephemere Kunstform und scheint sich in ihrer Flüchtigkeit dem gesprochenen und geschriebenen Wort zu entziehen. Im Seminar Tanzkritik beschreiben Studierende ihre Eindrücke und beurteilen unsere Stücke anhand gelernter Massstäbe. Eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Theaterwissenschaft Bern.

Gegensätze ziehen sich an

Von Helen Habel

Miteinander und Gegeneinander
Das Stück Eligmos von Andonis Foniadakis bot einen imposanten Auftakt. Schon in den ersten Sekunden der Performance stellte sich durch das beeindruckende Spiel mit Bewegung, Licht und Ton Gänsehaut ein. Das Stück war geprägt von Gegensätzen. Feine und abgehackte Bewegungen, hell und dunkel, Bewegung und Stillstand, Miteinander und Gegeneinander, Aggression, Sanftmütigkeit und Sexualität. Einheitliche Kostüme und Frisuren der Tanzenden betonten eine Gleichheit und machten Platz für eine intensive Wahrnehmung der Körper fernab von Geschlechtern.

Kontrastprogramm
Marco Goecke erzählt mit seiner Choreografie die Geschichte einer einsamen Meeresschildkröte. Das Stück war gezeichnet von Einzelperformances und passenden Geräuschen und Lauten, die das Bild der Schildkröte verstärkten. Auffällig war die stets wiederkehrende gebeugte, panzerhafte Haltung von Tänzer*innen, die immer wieder in einer Reihe über die Bühne liefen und dabei betont vom Publikum wegschauten. Die Choreografie war durchzogen von abgehackten, fast schon militärischen Bewegungen, die sich immer wieder wiederholen. Das Ende dieses Teils, in Form einer leeren Bühne, die durch ein geschicktes Spiel mit Licht und Bühnenbild an einen verlassenen Meeresboden erinnerte, lässt niemanden kalt. Diese Choreografie stand in einem starken Kontrast zu den anderen beiden. Nur in diesem Teil wurde das Gefühl einer Geschichte hinter dem Tanz vermittelt. Zwischen den drei Teilen entfachte ein Spiel mit Gegensätzen.

Gruppenaufmärsche zu Technomusik
Der Abschluss des Abends war geprägt von Gruppenauftritten, getanzt wurde auf Technomusik. Die Choreografie von Sharon Eyal war so ungewohnt, dass die Zeit wie im Flug vergehen zu schien. In einem starken Kontrast zu den Gruppenchoreografien und eines Wanderns von vielen Tänzer*innen gleichzeitig über die Bühne standen kurze Solos zwischendurch. Diese bildeten einen starken Gegensatz, nicht nur aufgrund der Anzahl der Tänzer*innen, sondern auch in ihrem Stil. Die Gruppenchoreografien waren geprägt von Gleichheit und einer Harmonie durch mechanische Bewegungen. Die Solos setzten sich dem mit sanften Bewegungen, die sinnlich und originell wirkten, entgegen. Die Solist*innen zeigten Extravaganz, kehren aber immer auch wieder zu der Gruppe und dem Gruppenrhythmus zurück.

Die Choreografien sind unvergleichlich und bilden so starke Kontraste und Gegensätze ab, dass sie dadurch fast schon wieder eine Einheit bilden und auf unbegreifliche Weise zueinander passen

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