Diese Gesellschaft ist heuchlerisch! Verlogen! Mit sich selbst beschäftigt! Alle biedern sich an, setzen ein falsches Lächeln auf, sind freundlich, aber nicht nett. Niemand hält ehrliche Kritik aus, alles wird floskelhaft in Watte gepackt und mit eloquenten Umgangsformen weichgespült: Jean-Baptiste Poquelin alias Molière klagt durch den Mund seiner Figur Alceste alias «Menschenfeind» emotional und polemisch die Hofgesellschaft seiner Zeit an. Doch: Trifft Molière damit nicht auch heute einen Nerv? Sind wir fähig zu echter Kritik, jenseits von Angriff, Shitstorm, Kommentarspalte oder Lästerei?
Für Bühnen Bern bearbeitet die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und neue Berner Hausautorin Meral Kureyshi den beliebten Klassiker: Klug, humorvoll und bissig versetzt sie ihn in die Berner Bubble, die Schweizer Höflichkeit, die eidgenössische Diplomatie und legt den Finger in die Wunde der selbstgefälligen helvetischen Nettigkeit. Nach James Brown trug Lockenwickler bringt der renommierte Regisseur Stephan Kimmig diesen facettenreichen Berner Menschenfeind als grosse Komödie zur Uraufführung.