Kaspar

von Peter Handke

Wie wird man eigentlich ein Mensch? Keiner geringeren Frage als dieser geht der erst kürzlich mit dem österreichischen Nestroy-Preis für den besten Nachwuchsregisseur ausgezeichnete Mathias Spaan in Handkes frühem Sprechstück Kaspar nach. Verloren, fremd und mit nur einem Satz – «Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist» – betritt Kaspar die Bühne. Langsam bewegt er sich durch eine Art Raummuseum, probiert die sich darin befindlichen Objekte aus, lernt, wie man sich in den unterschiedlichen Räumen, zu anderen Menschen verhält, lernt zu sprechen. Handkes Spielmodell zeigt auf, wie unser Bild von der Welt und unser Verhalten geprägt ist durch Sprache, Erziehung und gesellschaftliche Konventionen, und ermöglicht zugleich eine Reflexion darüber, was der Mensch alles erlernen muss. Heute, wenn wir uns nach der Erfahrung einer Pandemie selbst langsam den öffentlichen Raum zurückerobern, stellt sich diese Frage in ganz neuem Licht.

Dauer:
ca. 1 Stunden 30 Minuten, ohne Pause

Einführungstext von Dramaturgin Julia Fahle

© Annette Boutellier
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© Annette Boutellier
© Annette Boutellier
© Annette Boutellier
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«Eine besondere Komik entwickelt das teilweise chorische Sprechen der drei Figuren in einer Szene gegen Schluss, als sie auf Kirchenbänken sitzen und zunehmend verzweifelt Leitsätze für ein möglichst angepasstes Leben skandieren: «Die Arbeit immer neu sehen», «die Zeit richtig einteilen», «dein Wohlbefinden wird von deiner Leistung bestimmt» – es ist ein Schreikonzert der Selbstoptimierung, das geradeso gut in den Neoliberalismus von heute passt.»

Lena Rittmeyer, Der Bund