Maria Stuart

Die schöne, leidenschaftliche, stolze Schottin Maria Stuart ist als Kronprätendentin in England unter Verstoss gegen jegliches Völkerrecht unter Hausarrest gestellt. Maria fühlt sich zwar nicht unschuldig, hat aber in 19 Jahren Haft jeden Machtanspruch aufgegeben, zu demütiger Frömmigkeit gefunden und die Schuld ihrer Meinung nach abgesessen.
«Umgeben rings von Feinden» regiert ihre englische Cousine Elisabeth als starke Königin, die mit erfolgreicher Kriegsführung und kluger Politik England befriedet hat. Als uneheliches Kind und unverheiratete Frau lebt sie allerdings mit der Angst, ewig um den Thron bangen zu müssen, den sie spätestens nach ihrem Tod an die katholische Maria oder deren Erben abgeben müsste.

42 englische Richter haben Maria Stuart nun zum Tode verurteilt, und Elisabeth obliegt es, dieses Todesurteil in letzter Instanz zu bestätigen oder aufzuheben. Die Herrscherin, die ihr Volk mehr lieben soll als sich selbst, die dessen Wohlergehen auch über den eigenen Tod hinaus erhalten will, entscheidet sich für das Todesurteil – und bleibt allein zurück, verlassen von ihren männlichen Beratern, die ihr Heil anderswo suchen.

Heute sind weltweit 20 der 180 Staatsoberhäupter Frauen. In Friedrich Schillers Königinnendrama, geschrieben 1800, kämpfen zwei Frauen in Spitzenpositionen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür, in einer Männerwelt anerkannt, geachtet und gerecht behandelt zu werden. Staatsraison gegen Gewissen, privates Gefühl gegen politisches Interesse – an dieser Konfliktlinie richtet Schiller die Handlung des Stückes aus.
Daneben ist «Maria Stuart» aber auch eine geschichtsphilosophische Betrachtung darüber, wie sich (irdisches) Recht und (himmlische und irdische) Gerechtigkeit zueinander verhalten; es beschäftigt sich mit der Rolle, die das Gewissen des Mächtigen als letzte seelische Instanz spielt, und stellt auch heute noch die Frage, welchen Preis Frauen in Machtpositionen bezahlen.

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«So dreht sich diese Inszenierung um die Pole von personaler Freiheit und Staatsräson, um Liebe und Macht. Dabei räumt die Regie keineswegs das gefürchtete Schillersche Pathos aus. Die Emotionen flammen auf, die Sätze prunken mit ihrem Klang, aber darunter wuchern die miesen Regungen skrupelloser Zeitgenossen. Was für ein abgefeimter Fiesling ist dieser Leicester (Christian Kerepeszki), welchen Zorn schleudert die rasende Maria (Sarah Sophia Meyer) von sich, welch hinterhältige Spiele treibt die mit «Sultanslaunen» ausgestattete Elisabeth (Sophie Hottinger), um der Verantwortung für Marias Hinrichtung auszuweichen. Vorzügliche Rollenporträts finden sich in dieser Theaterproduktion, die Schillers Personenbestand deutlich vermindert hat dies aber mit Gewinn für einen Ablauf, der nichts an Spannung einbüsst. Unverkennbar ist die Neigung zur Ironisierung, wenn Elisabeth ihre Krone putzt oder die Höflinge zu Marionetten schrumpfen. Damit aber stellt sich die Balance zum hohen Ton und zur Eruption der Gefühle her. Ein Abend, der den Klassiker neu entdecken lässt!» NZZ, 12. Februar 2014, Beatrice Eichmann-Leutenegger

© Annette Boutellier
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© Yoshiko Kusano
30 Min. vor Vortellungsbeginn (Premiere ausgeschlossen)