Choreografische Übungsstunde über das Unvollendete Flüchtigkeitshommage
Lücken & Leerstellen
«Ode» ist ein Synonym für «Hommage», ein Gedicht, das traditionell von Musik begleitet wird und einer Person oder einem Ereignis gewidmet ist. Das Solo «ODE» von Catol Teixeira entfaltet sich als eine choreografisch-tänzerische Widmung an das Flüchtige, an Lücken, Brüche und Transformationen – eine Klage über das, was einmal fast da war, einem entgleitet, niemals eintrifft. Teixeira verkörpert diesen Zustand des Aufbruchs: Der Körper ist flüchtig auftauchendes Ereignis und Speicher früherer Bewegungen, ist Archiv von gegangenen, gezögerten und widerstandenen Schritten. In repetitiven und sich dennoch kontinuierlich verändernden Bewegungen, unterbrochen von unerwarteten disruptiven Momenten, materialisiert sich der Körper von Teixeira, während er sich gleichzeitig zu verflüchtigen scheint. «ODE» versucht so, den unwirtlichen Raum einzunehmen, wo Spuren zurückbleiben, wo Schritte von den Geistern der Vergangenheit eingeholt werden. Der Rest einer Bewegung, das Echo einer Entscheidung, der Nachhall eines Kontakts – all dies bleibt. In der Spannung zwischen Verlust und Grazie entfaltet sich ein Tanz – nicht, um sich aufzulösen, sondern um noch einen Moment bei dem zu verharren, was sich schon verändert hat.