8. Kammermusikkonzert
If Music…
«If music be the food of love, play on» - Purcells berühmte Vertonung von Shakespeares wohl meistzitiertem Satz, mit dem die Komödie «The Twelth night» eröffnet wird, ist das Motto dieses Konzerts, in dem ganz unterschiedliche Epochen und Werke aufeinandertreffen, vom goldenen Zeitalters des englischen Barock bis in die Nachkriegszeit Polens. Emotion und Ausdruck bilden die gemeinsame Klammer - Musik als Nahrung für die Seele.
Cztery sonety miłosne - vier Liebessonette. Dahinter verbirgt sich kein Geringerer als William Shakespeare. Freilich wird das Englisch des Elisabethanischen Zeitalters hier transponiert in eine kraftvolle polnische Übersetzung, vertont von Tadeusz Baird, einem der bedeutendsten polnischen Komponisten der Nachkriegszeit. Manches darin mutet archaisch an, anderes wirkt modern und expressiv. In der Wahl der Sonette folgt der Zyklus einer inneren Dramaturgie von aufkeimender erster Hoffnung bis zum schmerzlichen Abschied.
Im Winter des Jahres 1909 kam Mieczysław Karłowicz bei einem Lawinenunglück ums Leben - er wurde nur 32 Jahre alt. Entsprechend schmal ist sein Œuvre, und dennoch enthält es eine beachtliche Zahl an Werken unterschiedlicher Genres, in denen romantische Sehnsucht, Weltschmerz und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur zum Ausdruck kommen. Zwischen 1895 und 1896 schuf Karłowicz eine Reihe von Liedern, die bis heute zum Kernrepertoire der polnischen Vokalmusik gehören - außerhalb des Landes aber immer noch ein Geheimtipp sind. Hier geht es unter anderem um Frieden für die zerissene Seele (Skąd pierwsze gwiazdy), die Begegnung mit der Einsamkeit (Smutną jest dusza moja) und eine «Musik der Seele» (Idzie na pola).
Orpheus britannicus» – schon von seinen Zeitgenossen wurde Henry Purcell mit diesem schmeichelhaften Beinamen geehrt, ein unverkennbares Zeichen der hohen Wertschätzung, die dem vermutlich 1659 geborenen Meister von Anfang an zuteil wurde. Vom Chorknaben der Royal Chapel avancierte er früh zum Organisten der Westminster Abbey und schuf ein eindrucksvolles Œuvre, in dem Vokalmusik eine zentrale Stellung einnimmt. Tragisch bleibt sein früher Tod: Am 21. November 1695 verfasste Purcell sein Testament und verstarb noch am selben Tag.
Fünfzehn Jahre nach Purcell Tod reiste Georg Friedrich Händel erstmals nach London. War diese Reise anfangs mehr als Abstecher geplant gewesen (offiziell befand sich Händel zu dieser Zeit als Kapellmeister in den Diensten des Kurfürsten von Hannover), so sollte die Metropole an der Themse nach und nach zum Lebensmittelpunkt für den aus Halle an der Saale stammenden Komponisten werden. 1727 wurde Händel englischer Staatsbürger.
Zu dieser Zeit konnte er bereits auf eine atemberaubende Karriere als Opern- und Theaterunternehmer zurückblicken. Nur die besten der besten - darunter die Primadonnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni und der Kastrat Senesino – zählten zu Händels Ensemble. Ihnen schrieb er hochvirtuose Arien auf den Leib. Rache, Zorn, Gefühle von Einsamkeit und Trauer, Liebe und Leidenschaft – diese Affekte werden in Händels Arien lebendig und lassen die glamouröse Welt der Opera seria bis heute lebendig werden.
Jakub Józef Orliński hat die Welt im Sturm erobert. Der polnische Countertenor studierte an der New Yorker Juilliard School und der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität in Warschau. Als Breakdancer wie als Sänger mit „der Stimme eines Engels“ (The Sunday Times) ist Jakub Orliński für seine einzigartige Fähigkeit bekannt, weltweit neue Publikumsschichten und Kunstformen anzusprechen. Engagements führten ihn seitdem u. a. an die Oper Frankfurt sowie zum Glyndebourne Festival, an das Royal Opera House Covent Garden in Londonund an das Opernhaus Zürich. Orlińskis jüngste Aufnahme Beyond wurde von der Times zu einem der besten klassischen Alben des Jahres 2023 gekürt.
Der Pianist Michał Biel tritt regelmäßig in Konzertsälen wie der Londoner Wigmore Hall, der Carnegie Hall und Alice Tully Hall in New York sowie im Rahmen von Liederabenden an renommierten internationalen Opernhäusern wie denen in Frankfurt, Lille und Warschau auf. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Countertenor Jakub Józef Orliński, wovon gemeinsame Konzerte beispielsweise beim Verbier Festival, bei Life Victoria Barcelona und bei Pierre Cardin’s Festival de Lacoste sowie Tourneen und TV-Übertragungen zeugen.
Christian Müller
Jakub Józef Orliński, Countertenor
Michał Biel, Klavier