Der Schriftsteller, Lyriker und Essayist Charles Ferdinand Ramuz, geboren in Lausanne, hat vor gut 100 Jahren zwei Romane geschrieben, die sich ebenso poetisch wie dringlich mit den berühmten letzten Fragen auseinandersetzen: Wofür lohnt es sich zu leben? Und wie stehen wir zu unserer eigenen Endlichkeit?
Der Hitzesommer 1921 inspirierte Ramuz zum Gedankenexperiment Sturz in die Sonne: Durch einen Unfall im Gravitationssystem wird die Erde immer heisser und rast unweigerlich auf ihr Ende zu. Damals wusste der Autor noch nichts vom Klimawandel, und dennoch verfasste er eine beinahe prophetische Studie über den Umgang der Menschen mit dem Tod. Dorf im Himmel dagegen liest sich als Utopie ebenso wie als Parabel auf die aktuelle Schweiz: Die Bewohner*innen eines kleinen Bergdorfes steigen aus ihren Gräbern und kehren zurück in ihre Leben – ohne Schmerzen, Sorgen, Krankheit oder Tod. Doch irgendwann schleichen sich Langeweile und Überdruss in dieses Paradies ein und drohen es zu zerstören. Obwohl Ramuz mehrmals als Literaturnobelpreisträger gehandelt wurde, ist er im deutschsprachigen Raum nahezu unbekannt: Beide Romane erschienen in den vergangenen Jahren zum ersten Mal auf Deutsch. Nach der Inszenierung Von schlechten Eltern 2021 kehrt der Regisseur Tilmann Köhler nach Bern zurück und bringt die beiden Romane als Doppelabend auf die Bühne.