Das Sitkovetsky Trio ist eines der herausragendsten Klaviertrios und weltweit auf den wichtigsten Bühnen zu Gast. Das Ensemble setzt sich zusammen aus dem russisch-britischen Geiger Alexander Sitkovetsky, dem aus Deutschland stammenden Cellisten Isang Enders und der chinesischen Pianistin Wu Qian. Das Trio besteht bereits seit fast 20 Jahren und erlangte mit seinen progressiven Programmen und einer unbestrittenen Ensembleleistung höchste Anerkennung. Seit vielen Jahren konzertieren sie u. a. im Amsterdamer Concertgebouw, der Alten Oper in Frankfurt, dem Palais des Beaux-Arts in Brüssel, dem Musée du Louvre in Paris, dem Auditori in Barcelona, im Lincoln Center in New York und in der Londoner Wigmore Hall. Die Einspielungen des Sitkovetsky Trio bei BIS Records sind vielfach preisgekrönt. Die Gesamtaufnahme der Klaviertrios von Ludwig van Beethoven wurde von der internationalen Kritik als eine «der besten Neueinspielungen der letzten Zeit» (Elisabeth Richter) bewertet. Das Trio verpflichtet sich seit jeher der zeitgenössischen Musik und vergab zahllose Kompositionsaufträge, insbesondere an Komponistinnen.
Das letzte Konzert des Sitkovetsky Trio bei Kammermusik Bern fiel 2021 zunächst der Pandemie zum Opfer, konnte dann aber Ende der Saison in stark gekürzter Form und vor reduziertem Publikum stattfinden.
Authentisch im engeren Sinne ist der Beiname «Geistertrio» nicht; er stammt von Ludwig van Beethovens Schüler Carl Czerny, nicht vom Komponisten selbst. Und dennoch könnte er treffender kaum sein: Herzstück dieses Klaviertrios ist der langsame Satz. Er besticht durch geheimnisvolle Tremoli im Klavier, aus denen einzelne Motive geisterhaft aufblitzen. (In Beethovens Skizzenbuch findet sich die Komposition übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft zu Entwürfen für eine Macbeth-Oper. Nicht auszuschliessen also, dass die Hexen aus Shakespeares berühmtem Drama hier Pate gestanden haben.)
Umrahmt wird der langsame Mittelsatz von einem kontrastreichen, von zwei konkurrierenden Motiven bestimmten Kopfsatz und einem versöhnlichen Finale, das der Philosoph Theodor W. Adorno einst verglich mit dem tröstlichen «Dämmern eines Tages, der alles Unheil wieder gut zu machen verspricht». Unter den zwölf von Beethoven überlieferten Klaviertrios nimmt das Geistertrio die goldene Mitte ein zwischen dem eher geselligen Gassenhauer-Trio und dem alles krönenden Erzherzog-Trio.
Im Jahr 1857 wurde Cécile Chaminade in Monte Carlo geboren – ersten Klavierunterricht erhielt sie von ihrer Mutter. Bereits im Alter von acht Jahren trat sie als Komponistin hervor. Am 3. Mai 1877 debütierte Chaminade als Pianistin in der Salle Pleyel. In späteren Jahren konzertierte sie in vielen Ländern Europas, 1907 trat sie in der Carnegie Hall auf. In zahlreichen «Chaminade Clubs» wurde sie von ihrem Publikum gefeiert. In den letzten Jahrzehnten kehrt ihr Œuvre allmählich in den Konzertsaal zurück und findet die Beachtung, die es verdient.
Chaminades zweites Klaviertrio stammt aus dem Jahr 1887 und besteht aus drei Sätzen. Der erste, ein Allegro moderato, wird bestimmt von einem kraftvollen Hauptthema. Der Finalsatz greift diese Energie erneut auf, ist harmonisch angereichert durch chromatische Passagen und endet mit einer sehr eindrucksvollen Coda. Dazwischen findet sich ein lyrischer Satz, dessen besonderer Klangcharakter vor allem durch die über weite Strecken unisono spielenden Streicher zustande kommt.
Sechs Klaviertrios hat Antonín Dvořák komponiert, vier davon sind überliefert. Das f-Moll-Trio aus dem Jahr 1883 ist in mancher Hinsicht sicher das bedeutendste von ihnen: Da sind zunächst die symphonisch anmutenden Dimensionen (etwa 40 Minuten Spieldauer!), aber auch die komplexe musikalische Faktur, die Abkehr von der «slawischen Periode» und schliesslich die stilistische Annäherung an Johannes Brahms. Für die Komposition brauchte es zwei Monate (vergleichsweise lange nach Dvořáks Massstäben); die vielen nachträglichen Änderungen belegen das Ringen um eine neue Form.
Ein melancholisches Hauptthema entfaltet sich in wenigen Takten vom einstimmigen Pianissimo zum vollstimmigen Fortissimo und wird entwickelnd weitergeführt. In der Reprise hellt sich die Stimmung zwischenzeitlich auf. In einer entfernten Molltonart hebt das Scherzo an – ein tänzerischer Satz mit rhythmischer Raffinesse und heiteren Zwischenepisoden. Ausgehend von einer Kantilene des Cellos steht das Poco Adagio ganz unter den Vorzeichen melodischer Entfaltung. Das Finale bringt am Ende die Wende nach Dur, ein positiver Abschluss, der nach der hohen Dramatik des Vorangegangenen umso eindrucksvoller wirkt.