vision string quartet
2012 gegründet, hat sich das vision string quartet als eines der besten Streichquartette seiner Generation etabliert. Mit ihrer Fähigkeit, zwischen dem klassischen Streichquartett-Repertoire und eigenen Kompositionen aus Genres wie Folk, Pop, Rock, Funk und Minimal Music zu wandeln, geben die vier visionären Künstler der Musikwelt neue Impulse. Das Streichquartett spielt in den klassischen Konzertsälen wie der Elbphilharmonie Hamburg, der Berliner Philharmonie und der Wigmore Hall London sowie auf renommierten Festivals wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Bodenseefestival und dem Beethovenfest Bonn.
Das vision string quartet spielt zum zweiten Mal in bei Kammermusik Bern, zuletzt im «Corona-Jahr» 2021 in einem gekürzten Konzert.
Danish String Quartet
Gefeiert für sein intensives Zusammenwirken, seine hohe dynamische Kraft und seine unbändige Vitalität, ist das Danish String Quartet heute eines der gefragtesten klassischen Quartette, das in ausverkauften Konzertsälen auf der ganzen Welt auftritt. Die Gruppe ist sowohl für ihre Aufführungen klassischer Musik als auch für ihre eigenen Interpretationen traditioneller nordischer Volksmusik bekannt. Das Quartett hat zudem mit einer Vielzahl zeitgenössischer Komponist*innen zusammengearbeitet. Ihre umfassende Diskographie ist bei ECM Records erschienen. Das Danish String Quartet ist nach 2023 zum zweiten Mal zu Gast bei Kammermusik Bern.
«Ich will mich durch die grossen Formen kämpfen, koste es, was es wolle» – mit diesem Credo bricht Edvard Grieg im Spätsommer 1877 in die Einsamkeit des mächtigen Hardangerfjords auf. Ein Komponierhäuschen hat er sich hier bauen lassen, um im Schoss der Natur neue Schaffenskraft zu gewinnen. Schöpferisches Ergebnis dieses Sommers ist ein Werk, das in Griegs sonst eher programmatisch ausgerichtetem Schaffen eine Sonderstellung einnimmt: das Streichquartett g-Moll op. 27. Mit grossem Erfolg wird es im Herbst des Folgejahrs in Köln zur Uraufführung gebracht.
Vom ersten Ton an drückt Grieg der klassischen Form seinen eigenen Stempel auf: Das in der Einleitung intonierte Motto ist ein Eigenzitat seines Liedes «Der Spielmann»; es zieht sich in unterschiedlicher Gestalt wie ein roter Faden durch das Werk. Auffällig ist zudem die orchestrale Fülle des Kopfsatzes, der hohe Anforderungen an alle Ausführenden stellt. Im Trio des Intermezzos greift Grieg schliesslich die Volksmusik des Hardangerfjords auf –
eine Auffälligkeit, die Eduard Hanslick, dem gefürchteten Kritikerpapst jener Zeit, als gänzlich «unquartettmässig» aufstiess, die aber fraglos den einzigartigen Charme dieses ungewöhnlichen Streichquartetts ausmacht.
Am 7. Oktober 1956 wird das sechste Streichquartett von Dmitrij Schostakowitsch in Leningrad aus der Taufe gehoben. Josef Stalin ist seit gut drei Jahren tot, die «Tauwetter-Periode» unter Nikita Chruschtschow hat begonnen und gestattet mehr künstlerische Freiheit. Entstanden ist das Werk im Spätsommer desselben Jahres in einem kleinen Küstenort unweit der Stadt. Seit kurzem ist Schostakowitsch in zweiter Ehe mit Margarita Kainowa, einer Aktivistin in der Jugendorganisation Komsomol, verheiratet. All das sind positive Vorzeichen, die sich im sechsten Streichquartett hörbar niederschlagen. Nach der inneren Tragik und existenziellen Not der vorangegangenen Schwesterwerke herrscht hier über weite Strecken ein heiterer Ton.
Vor allem im ersten Satz: Er wirkt geradezu klassisch, folgt der Form eines Sonatensatzes und wird von einem ausgelassenen Hauptthema beherrscht. Auch der zweite Satz setzt die gelöste Atmosphäre fort. Dann aber entwickelt sich mit dem dritten Satz eine tiefgründige Musik von besonderer Art: Das Cello beginnt solo mit einer zehntaktigen, chromatisch angereicherten Tonfolge, die sich nach Art einer barocken Chaconne durch den ganzen Satz zieht. Nach und nach kommen die übrigen Instrumente dazu. Auch der Schlusssatz, der die Motive der vorangegangenen Sätze noch einmal aufgreift, wirkt teilweise abgründig.
Im November 1825 berichtet Carl Friedrich Zelter seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe, sein Schüler Felix Mendelssohn habe ein Oktett «vollendet, das Hand und Fuss hat». Von der Qualität seines Jugendwerkes scheint auch dieser selbst zeit seines Lebens zutiefst überzeugt gewesen zu sein. Noch 1843 bringt er es im Leipziger Gewandhaus zur Aufführung, gemeinsam mit dem dänischen Komponisten Niels W. Gade. «Dieses Quartett muss von allen Instrumenten im Style eines symphonischen Orchesters gespielt werden», lautet eine Anweisung im Autograph.
Aus den acht Instrumenten formt Mendelssohn einen Klangkörper von grosser Dichte und Dynamik und damit ein kompositorisches Format, das kammermusikalische Intimität und orchestrale Fülle vereint. Eine schwungvolle, eingängige Melodie wird unmittelbar zu Beginn des ersten Satzes exponiert und durch verschiedene Stimmen fortgeführt. Seine Entsprechung findet dieser Kopfsatz in einem energiegeladenen, kontrapunktisch durchdrungenen Finale. Beide Sätze umrahmen ein melodisch eindringliches Adagio und ein Scherzo. Dessen geisterhafte Atmosphäre ist inspiriert durch die Schlusszeilen des Walpurgisnachtstraums aus Goethes Faust: «Wolkenflug und Nebelflor / erhellen sich von oben. / Luft im Laub und Wind im Rohr / und alles ist zerstoben.»