Das Trio Gaspard hat sich der gesamten Bandbreite des Klaviertrio-Repertoires verschrieben und sich zu einem der gefragtesten Trios seiner Generation entwickelt. Neben der Erforschung bekannter Klassiker arbeiten die Musiker*innen mit zeitgenössischen Komponist*innen zusammen und suchen selten gespielte Meisterwerke, um ihre Entdeckungen mit dem Publikum in renommierten Konzertsälen auf der ganzen Welt zu teilen. Ihre Neugierde, neues Repertoire zu entdecken, führte u. a. zu Aufführungen von Ethel Smyths Klaviertrio d-Moll bei den BBC Proms undvon Bernd Alois Zimmermanns Présence: Ballet Blanc zusammen mit dem Tänzer Luka Fritsch. Das Trio engagiert sich für neue Musik und hat ein umfangreiches Projekt ins Leben gerufen, um Komponist*innen wie Olli Mustonen, Patricia Kopatchinskaja, Helena Winkelman, Sally Beamish, Kit Armstrong, Johannes Fischer und Leonid Gorokhov mit der Komposition von Begleitstücken zu Haydns Klaviertrios zu beauftragen. Das Trio Gaspard wird regelmässig in grosse internationale Konzertsäle eingeladen, darunter die Berliner Philharmonie, die Elbphilharmonie Hamburg, der Boulez Saal Berlin, die Essener Philharmonie und die Salle Molière in Lyon.
Das Trio Gaspard ist nach 2018 zum zweiten Mal Gast bei Kammermusik Bern.
Im Jahr 1761 tritt Joseph Haydn als Vizekapellmeister in die Dienste des Fürsten Esterházy in Eisenstadt. «Ich war von der Welt abgesondert, niemand konnte mich an mir selbst irre machen […], und so musste ich original werden», schreibt der Komponist rückblickend. Schon in den ersten Jahren seiner Tätigkeit entsteht das F-Dur-Klaviertrio.
Das Klavier ist unzweifelhaft das führende Instrument, die beiden Streicher haben passagenweise eine eher begleitende und klanglich verstärkende Funktion. Und dennoch ist das Zusammenspiel mit der Violine in den beiden ersten Sätzen bereits dialogisch angelegt. Erstaunlich ist nicht zuletzt die Satzfolge: Ein schneller Satz wird umrahmt von einem langsamen ersten und einem tänzerischen dritten Satz.
«Der Verlust meines ältesten Töchterchens, dieses so ungewöhnlich begabten Kindes, veranlasste mich im Jahre 1855 zur Komposition eines Kammermusikwerkes, des Trios in g-moll», schreibt Bedřich Smetana viele Jahre später. Am 6. September jenes verhängnisvollen Jahres war die Tochter Bedřiška im Alter von nur viereinhalb Jahren verstorben. Biographisch rückt das Trio g-Moll damit in die Nähe eines Requiems, auch wenn ein direkter programmatischer Bezug in der Musik kaum erkennbar ist.
Eine einsame Klage der Violine steht am Beginn des ersten Satzes. Dieses Hauptthema kehrt mottoartig auch in den anderen Sätzen des Werkes wieder. Es entwickelt sich ein leidenschaftlicher Dialog mit den anderen Instrumenten, bevor ein zweites, sehr schlichtes Thema einsetzt. Der mittlere Satz hat den tänzerischen Charakter eines Scherzos; anstelle eines langsamen Satzes fügt Smetana zwei kontrastierende «Alternativo»-Abschnitte ein. Das Hauptthema des Finalsatzes ist ein Eigenzitat aus der g-Moll-Klaviersonate.
Gefeierter Geigenvirtuose und Komponist, Schüler und Schwiegersohn von Antonín Dvořák, Lehrer von Bohuslav Martinů – in der tschechischen Musikgesichte nimmt Josef Suk eine wichtige Position ein. Es ist die eines Mittlers zwischen den Epochen der tschechischen Nationalromantik zum einen und der beginnenden Moderne zum anderen.
Die Elegie Des-Dur wurde 1902 in Prag anlässlich einer Gedenkfeier zum ersten Todestag des Dichters Julius Zeyer uraufgeführt. Sie ist damit ein vergleichsweise frühes Werk, das noch unter den Vorzeichen der Vorbilder Dvořák und Smetana steht. «Unter dem Eindruck von Zeyers ‹Vyšehrad›» lautet der Untertitel, ein Bezug auf Zeyers Gedicht über jenen sagenumwobenen Burgwall an der Moldau.
«Jetzt arbeite ich an etwas Kleinem, ja etwas Klitzekleinem […]. Es sind dies kleine Stücke für Geige, Cello und Klavier. Sie werden fröhlich und traurig sein», schreibt Antonín Dvořák in einem Brief vom 28. November 1890. Gemeint ist das vierte Klaviertrio des Komponisten, das unter dem Titel «Dumky» uraufgeführt und veröffentlicht wird. «Dumky», Plural von «Dumka», ist ein Begriff aus dem Ukrainischen, er steht für eine Musik, in der sich das melancholisch Elegische und das heiter Ausgelassene kontrastreich gegenüberstehen.
Schon der Blick auf die Satzfolge zeigt, dass das «Dumky»-Trio mit der Tradition des Klaviertrios tatsächlich wenig gemein hat: Anstelle der klassischen Drei- oder Viersätzigkeit gibt es sechs Sätze mit unterschiedlichsten Tempi. Am Beginn steht eine klagende Melodie im Cello, die jäh in ein temperamentvolles Allegro umschlägt. Wechsel wie diese bestimmen auch den weiteren Verlauf. Dabei ist es das melodische Genie Dvořáks, das dieses Werk wesentlich bestimmt.