Katharina Bäuml studierte zunächst moderne Oboe und legte ihr Diplom «mit Auszeichnung» ab. Daneben studierte sie Barockoboe und historische Rohrblattinstrumente an der Schola Cantorum in Basel. Ihr ganz besonderes Interesse gilt der Bläsermusik des 15. bis 17. Jahrhunderts, und so gründete sie 2005 mit Capella de la Torre das heute wichtigste deutsche Ensemble für Renaissancemusik. Neben der Alten Musik widmet sich Katharina Bäuml auch der zeitgenössischen Musik auf historischen Instrumenten. Seit 2010 entstanden so zahlreiche Kompositionen für das Duo Mixtura, u. a. zu hören beim Berliner Festival Ultraschall. Als Leiterin mehrerer Festivals und Konzertreihen initiiert Katharina Bäuml immer wieder Begegnungen zwischen Musik der frühen Neuzeit und Jazz. Besonders wichtig ist ihr auch die Vermittlung von Musik in unterschiedlichen Kontexten und an heterogene Zielgruppen.
Capella de la Torre wurde von der Oboistin und Schalmeispezialistin Katharina Bäuml in Berlin gegründet. Seitdem hat das Ensemble sein Publikum in unzähligen Konzerten stets aufs Neue begeistert. Dies wird auch dokumentiert durch die mittlerweile 37 CD-Einspielungen und eine Vielzahl von Live-Mitschnitten. 2018 erhielt Capella de la Torre den OPUS Klassik für die Aufnahme Serata Venexiana, 2023 einen OPUS Klassik für Monteverdi-Memories. Um die Musik vergangener Jahrhunderte für heutige Ohren lebendig werden zu lassen, finden aktuelle, historische und musikwissenschaftliche Erkenntnisse ständig Eingang in die Programme der Capella. Dazu gehört besonders die Arbeit mit Quellen und Originaltexten. Ein besonderes Anliegen des Ensembles ist die Arbeit mit einem jungen Publikum, die in einer Vielzahl von Vermittlungsprojekten ihren Ausdruck findet.
Ausgehend vom ehemaligen deutschen Zwanzig-Mark-Schein, der eine Nürnberger Patrizierin zeigt (gezeichnet von niemand Geringerem als Albrecht Dürer), verfolgt dieses Konzert den Weg internationaler Geld- und Handelswege im Europa der Renaissance. Im Spiegel eines Zeitalters der beginnenden Globalisierung durch Kolonialismus und der damit verbundenen Ausbeutung geht es um die Erkenntnis der Renaissance, dass der Mensch sein Schicksal auch selbst in die Hand nehmen kann, ohne dabei von Gott gelenkt zu werden. Damit stehen auch die Folgen von Egoismus und Gier in direktem Zusammenhang.
So wurden durch die Eroberer unermessliche Reichtümer nach Europa gebracht. Sie beeinflussten auch die Politik und Beziehungen der europäischen Länder untereinander. In Florenz hatten die Medici im 15. Jahrhundert das Bankwesen erfunden und waren darüber hinaus schon bald als Kunstmäzene in ganz Europa bekannt. Die Dynastie hatte durch ihre internationale Vernetzung auch grossen politischen Einfluss; aus ihr gingen nicht nur mehrere Grossherzöge der Toskana hervor, sondern auch drei Päpste und zwei Königinnen von Frankreich.
Bildende Künstler wie Sandro Botticelli oder Leonardo da Vinci arbeiteten für die Medici, daneben aber auch berühmte Komponisten wie Heinrich Isaak, Josquin Desprez oder Adrian Willaert, deren Musikstücke von Florenz bis Flandern als Meisterwerke berühmt waren. Mit der Globalisierung des Geldes ging also auch die Globalisierung der Musik einher.
Fast 500 Jahre später entwerfen Katharina Bäuml und ihr Ensemble Capella de la Torre zusammen mit Folkert Uhde in ihrem Programm Was wird es doch des Wunders noch ein lebendiges Bild der Musikstücke und Klänge, welche die Zeit der Renaissance in Europa geprägt haben.
Anhand einzelner bildender Kunstwerke zu den Themen Geld und Handel, aber auch anhand einiger besonders wichtiger Kompositionen entsteht so ein Szenario, das die Zuhörer*innen zwischen der Gegenwart und der Renaissance hin- und herwandern lässt.