Dem Hornquartett german hornsound, das sich 2010 aus vier ehemaligen Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bildete, ist es gelungen, sich durch sein aussergewöhnliches Profil einen internationalen Namen zu machen. Mit neuen Konzertformaten und kreativen Programmen debütierte das Ensemble in den vergangenen Jahren bei nahezu allen deutschsprachigen Musikfestivals. Das Repertoire des Ensembles beinhaltet sämtliche Epochen der Musikgeschichte, Originalwerke sowie Arrangements. Besonders jedoch zeichnet sich das Ensemble durch die Entwicklung eigener Projekte aus.
Solistisch steht das Quartett regelmässig mit renommierten Orchestern auf den grossen internationalen Bühnen. So führten sie u. a. mit den Bamberger Symphonikern, dem Tokyo Symphony Orchestra und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Michael Sanderling, Jonathan Nott und Paavo Järvi Schumanns berühmtes Konzertstück auf. Auch die zeitgenössische Musik liegt dem Ensemble sehr am Herzen. Nach einem Kompositionsauftrag an Trygve Madsen (2013) konnten sie den estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür gewinnen, ein neues Stück für vier Hörner und Orchester zu schreiben.
Das Bläserensemble gibt mit diesem Konzert sein Debüt bei Kammermusik Bern.
«Hornsound» kann äusserst naturverbunden sein, aber auch extrem heldenhaft oder unsagbar harmonisch. Den Beweis liefert dieses Christmas Special, eine vorweihnachtliche Reise mit barocken Highlights, strahlenden Helden, romantischen Märchenwelten, italienischem Operndrama, amerikanischem Evergreen und traditionellen Weihnachtsliedern – all das in Arrangements, die mehrheitlich für das Ensemble geschrieben wurden.
Wenn es um festlichen Glanz geht, dann ist Georg Friedrich Händel sicher die allererste Wahl. Neben der Feuerwerksmusik (zur Feier des Friedens von Aachen) und der Wassermusik (für eine königliche Schifffahrt auf der Themse) steht hier das hochmelodische «Lascia ch’io pianga» aus dem Rinaldo auf dem Programm, jener Oper, mit der Händel seinen ersten triumphalen Bühnenerfolg in London feierte. Und wo Händel ist, da ist Johann Sebastian Bach nicht weit. Im Original ist das Allegro assai des zweiten Brandenburgischen Konzertes für eine höchst vielfältige Gruppe konzertierender Instrumente geschrieben – hier beweisen die Hörner ihre Vielfältigkeit.
Eindrucksvolle Blechbläser-Akkorde bereiten den Boden im langsamen Satz der Neunten von Antonín Dvořák. Was dann folgt, ist eine Sternstunde an melodischer Entfaltung –
allerdings für das Englisch-Horn, dem die Mitwirkenden aus der Abteilung Blech normalerweise nur neidvoll lauschen dürfen. Ganz anders hier in einem Arrangement von Stephan Schottstädt.
Damit öffnet sich ein Kosmos an (spät)romantischer Musik, beginnend mit dem äusserlich heiteren, innerlich melancholischen «Ging heut morgen über’s Feld» aus Gustav Mahlers Liedern eines fahrenden Gesellen. Auch die
Oper des 19. Jahrhunderts mit ihren grossen Antipoden Giuseppe Verdi und Richard Wagner tritt auf den Plan: Da ist zum einen die zünftige Welt der Nürnberger Meistersinger. Sie steht für festlichen Glanz und Tradition, aber auch eine Prise Sehnsucht und Ironie. Und zum anderen entführt das Programm in den letzten Akt des Otello mit dem berühmten «Ave Maria» der unglückseligen Desdemona.
Natürlich darf in einem Konzert mit vier Hörnern auch der deutsche Wald nicht fehlen. Und so fällt die Wahl naturgemäss auf Carl Maria von Webers Freischütz, diese Inkarnation der romantischen Oper mit ihren liedhaften Arien und Ensembles. Als archaisches Instrument der Jagd ist das Horn hier unter Landleuten, Jägern, Schurken und Heiligen ganz in seinem Element.
Den zweiten Teil des Christmas Specials eröffnet Johannes Brahms: Dessen Ungarische Tänze sind eine Hommage an Volksmusik und Tanz. Sie schlagen die Brücke zu Knusperhäuschen, Hexenritt und Abendsegen aus Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel, einer der erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte, die kleine wie grosse Menschen bis heute immer wieder begeistert und vorweihnachtlich einstimmt.
Und damit Bühne frei für Irving Berlins «White Christmas», eine Beschwörung der schönsten Jahreszeit nicht ohne Sehnsucht und Melancholie. Die eingängige Melodie verzaubert seit der berühmten Einspielung von Bing Crosby von 1942. Ein Happy End aus Weihnachtlied-Arrangements aller Couleur bildet den krönenden Abschluss.