Dramaturgin Bettina Fischer über den Tanzabend «Iconic»

Wer kreiert Iconic?

Der Abend vereint drei Stücke von einer Choreografin und zwei Choreografen. Der Grieche Andonis Foniadakis, der seit Jahren mit seinen energiegeladenen Choreografien auf den internationalen Tanzbühnen präsent ist, hat ein Stück extra für Bern Ballett choreografiert. Im Jahr 2021 wurde der ehemalige Stuttgarter Haus-Choreograf und derzeitige Ballettdirektor am Staatsballett Hannover Marco Goecke zum zweiten Mal zum Choreografen des Jahres gekürt. 2015 erhielt er dieselbe Auszeichnung für Lonesome George, das in Bern zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt wird. Der vielfach ausgezeichnete Künstler hat einen ganz eigenen, einzigartigen Stil entwickelt: prägnant, virtuos, aber auch beklemmend. Die Israelin Sharon Eyal entstammt der traditionsreichen Batsheva Dance Company, in der sie viele Jahre selbst tanzte und zu choreografieren begann. Ihre Arbeiten kreiert sie nie allein, sondern immer im Kollektiv, gemeinsam mit Gai Behar und Ori Lichtik, die ihre künstlerischen Wurzeln im Nachtleben Tel Avivs haben, wo beide als Musiker und Produzenten tätig sind. Lost Cause wurde vom Berner Ensemble bereits 2019 im Rahmen des Tanzabends Kontraste gezeigt und wird nun wiederaufgenommen.

Welche Bewegungssprachen werden gezeigt?

Andonis Foniadakis bringt einmal mehr seine dynamische, vor archaischer Kraft sprühende Bewegungssprache nach Bern. Auch in Ε Λ Ι Γ Μ ΟΣ – Eligmos jagt das Ensemble ungestüm und rasant über die Bühne. Die Übergänge von ruhigen zu impulsiven Momenten sind fliessend. Einem Turbolader gleich verdichtet sich in Drehungen, Sprüngen und Hebungen das Geschehen auf der Bühne zu Körperkonstellationen, die sich sogleich temporeich wieder auflösen. Eine ganz eigene Signatur und ein unverwechselbarer Stil zeichnen die Arbeiten des Choreografen Marco Goecke aus. Streng formal und auf der Basis des klassischen Bewegungsrepertoires kreiert er eine ganz neue Tanzsprache und schafft damit eindringliche Bilder von grosser Intensität. Die Gliedmassen der Tänzerinnen und Tänzer scheinen darin ein vibrierendes Eigenleben zu entwickeln. In der Tanzwelt wird diese Bewegungssprache bereits der «Goecke-Stil» genannt. Sharon Eyals pulsierende Körperwelten zeichnen sich durch kleinste Bewegungsdetails aus. Die rhythmisch gleichgeschalteten Tänzerinnen und Tänzer schickt sie auf halber Spitze einzeln und in dynamischen Gruppensequenzen wie seltsame Insekten über die Bühne, lässt sie jäh anhalten und ihre Gliedmassen gleichsam auf ihre Biegsamkeit hin befragen. Eyals Bewegungen entfalten in ihrer Einfachheit eine erstaunlich starke Tanzsprache.

Welche Musik erklingt?

In Ε Λ Ι Γ Μ ΟΣ – Eligmos wird zu den elektroakustischen Klängen von Julien Tarride getanzt. Seit vielen Jahren arbeitet Andonis Foniadakis eng mit dem französischen Komponisten zusammen. Für Ε Λ Ι Γ Μ ΟΣ – Eligmos ist eine atmosphärische Klangwelt entstanden, die mit ihren treibenden Rhythmen die Choreografie intensiviert und die energetisch aufgeladene Körpersprache vorwärtstreibt.
Für Lonesome George hat der Choreograf die Kammersinfonie op. 110a von Dmitrij Schostakowitsch gewählt, die auf dessen berühmtem Streichquartett Nr. 8 c-Moll basiert. Die Komposition entstand 1960 in Dresden und enthält eine Fülle von Zitaten aus früheren Werken. Dieses Opus unterstreicht in seiner emotionalen Intensität die eigenwillige Choreografie Marco Goeckes, die um die Themen Einsamkeit und Verlorenheit kreist. Der Sound zu Lost Cause stammt von Gai Behar, der die legendären «Underground Raves» in Tel Aviv veranstaltete. Die rhythmischen Patterns und das durchgehende Treiben der Techno-Beats sind ein Markenzeichen von Sharon Eyals pulsierenden Körperwelten.

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