All das Schöne

«All das Schöne» ist ein lebensbejahender Monolog zum Thema Depression für alle ab 13 Jahren. Unsere Themenseite.

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Die schönsten Einsendungen werden hier veröffentlicht.

Hier ein Video der Klasse 9b des Schulhaus Hochfeld, Bern:

Was ist eigentlich eine Depression?

Psychische Krankheiten gehören zu den häufigsten Krankheiten in der Schweiz. Ungefähr jeder Zweite bis Dritte ist im Verlauf seines Lebens einmal psychisch krank. Wie es ist, wenn die eigene Mutter an Depression erkrankt, erzählt Emily in diesem Video:

Die vergessenen Kinder

Ein Interview mit Silke Wiegand-Grefe, Professorin für klinische Psychologie

30 Prozent aller deutschen Erwachsenen leiden im Laufe eines Jahres unter einer psychischen Störung. Jeder fünfte Mensch in Deutschland erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. Warum werden psychische Krankheiten dennoch immer noch tabuisiert?

Die Tabuisierung ist in Ängsten begründet, die Menschen davor haben, selbst zukünftig betroffen sein zu können. Ein weiterer wesentlicher Grund dafür ist die nach wie vor verbreitete Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Das bedeutet, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in abwertender Weise betrachtet oder auch zurückgewiesen und ausgegrenzt werden. Viele Menschen schämen sich daher für ihre Erkrankung und haben das Gefühl, diese verheimlichen zu müssen. Das kann leider auch dazu führen, dass Personen wirksame Unterstützungsangebote wie Psychotherapie nicht oder erst sehr spät in Anspruch nehmen.

Die Situation der Kinder psychisch kranker Menschen wurde lange Zeit von Forschung, Medizin und Gesellschaft vernachlässigt – es ist deshalb immer wieder die Rede von den «vergessenen Kindern». Sie sind Expertin in diesem Themenfeld. Warum ist es so wichtig, die Kinder psychisch kranker Menschen in den Blick zu bekommen?

Die Kinder werden oft nicht gesehen und erleben eine grosse Einsamkeit. Sie haben oft niemanden, an den sie sich wenden können. Gleichzeitig wissen wir aus der klinischen Erfahrung und der Forschung, dass Kinder psychisch kranker Eltern eine Hochrisikogruppe für die Entwicklung psychischer Erkrankungen darstellen. Etwa die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen zeigen psychische Auffälligkeiten oder sind im Grenzbereich zur Auffälligkeit. Auch die Lebensqualität ist geringer als die solcher Kinder ohne psychisch erkrankte Eltern. Ziel der von uns entwickelten und evaluierten Beratungsangebote ist es, die psychische Gesundheit und Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern.

In All das Schöne erzählt uns eine junge Frau von ihrem Leben mit einer depressiven und suizidgefährdeten Mutter und wie sehr die Depression sie selbst durchgehend geprägt hat, so dass auch sie selbst an depressiven Zuständen leidet. Gleichzeitig zeichnet sich diese Figur durch eine unheimliche Widerstandskraft aus. Wie plausibel finden Sie als Expertin diese Schilderungen?

Dass Kinder psychisch kranker Eltern selbst depressive Symptome entwickeln, ist keine Seltenheit. Hierbei spielen genetische Faktoren eine Rolle, jedoch wird ausschliesslich eine Vulnerabilität (Verletzbarkeit) vererbt. Die weitere Entwicklung hängt von Umweltfaktoren ab. Nicht alle Kinder psychisch kranker Eltern entwickeln selbst eine psychische Erkrankung. Viele sind «resilient». Das bedeutet, dass sie eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit haben und eine gesunde Anpassungsfähigkeit an widrige Lebensumstände aufweisen.

All das Schöne wird weltweit und auch in Deutschland sehr erfolgreich gespielt und begeistert das Publikum. Woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Psychische Erkrankungen wie Depressionen kommen, wie eingangs erwähnt, sehr häufig vor. Die Wahrscheinlichkeit, selbst betroffen zu sein oder jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis zu haben, der erkrankt ist, ist demnach hoch. Vermutlich haben daher viele Zuschauende einen Bezug zu der Thematik des Stücks. Gleichzeitig ist es nicht selbstverständlich, dass über das Thema so offen gesprochen wird, wie es die Protagonistin des Stücks tut. Nicht zuletzt wird die ernste Thematik in dem Stück auf eine lebensbejahende und humorvolle Art und Weise dargestellt.

Das Interview führte die Dramaturgin Stanislava Jević.

Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe ist Leiterin der Forschungsgruppe «Psychotherapie- und Familienforschung» an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der MSH Medical School Hamburg

Weitere Texte und theaterpädagogische Anregungen sind in der Materialmappe zur Inszenierung zu finden.

Wichtig ist es, darüber zu sprechen, wenn es einem nicht gut geht. Hier erzählt Valérie ihre Geschichte:

Wenn du Hilfe suchst …

Das «Berner Bündnis gegen Depression» hilft in Notsituationen und bietet verschiedene Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Angehörige und Lehrer*innen an:
berner-buendnis-depression.ch und unter +41 31 932 86 17

Das Institut Kinderseele Schweiz (iks) hilft Kindern und Jugendlichen psychisch belasteter Eltern:
kinderseele.ch und unter 052 266 20 45

Manchmal ist es einfacher, sich über die eigene Situation mit Gleichaltrigen auszutauschen. Oft haben sie ähnliche Erfahrungen gemacht oder kennen zumindest das Problem. Hier kannst du an zwei Abenden pro Woche (Montag und Donnerstag von 19:00 bis 22:00) mit Gleichaltrigen chatten:
https://kinderseele.147.ch/

Wenn Du in einer akuten Notsituation mit jemandem reden möchtest, ist die «dargebotene Hand» jederzeit, anonym und vertraulich erreichbar:

Tel. 143 oder per Mail und Chat: www.bern.143.ch